Hans Blumenberg

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HANS BLUMENBERG – Der unsichtbare Philosoph

Ein Film von Christoph Rüter 

Dauer: 102 Min. 
TAG/TRAUM / Kinescope / Christoph Rüter Filmproduktion / BKM / Filmstiftung NRW / Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein / Possehl Stiftung Lübeck 


Filmbeschreibung

Name und Werk Hans Blumenbergs (1920 – 1996), einer der bedeutendsten Philosophen deutscher Sprache nach dem 2. Weltkrieg, verbreiten sich nicht erst seit seinem Tode mit schöner Beharrlichkeit. Kein Wunder, hat er seine Ideen doch auf zwei Weisen in die Welt gesandt: als gelehrt-akademische, mehrhundertseitige ›Problemkrimis‹ und als artistisch-gedankenvolle, anspielungsreiche Miniaturen von hohem literarischen Rang. Fachphilosophen, Intellektuelle, Feuilletonleser, Wissensdurstige, Nachdenkliche, Aphorismenliebhaber, Literarturbegeisterte – für sie alle hält Blumenberg die gewünschte Dosierung bereit.

Der Münsteraner Philosophieprofessor, der als Mann des Wortes und der Gedanken niemanden losläßt, der ihn einmal gehört oder gelesen hat, begeistert immer noch zwei Freunde von mir, die bei ihm damals studiert haben (einer war sein studentischer Mitarbeiter), aber nicht die akademische Laufbahn beschritten haben, aber bei diesem Film unbedingt dabeisein wollten. Der Dritte im Bunde ist der Blumenberg-Forscher Dr. Rüdiger Zill, der Blumenberg nicht persönlich erlebt hat. Gemeinsam begeben sich die Drei auf eine Fahrt quer durch Deutschland und hin zu Blumenberg – von Lübeck über Marbach bis nach Zürich.

Der Film vermittelt Leben und Werk Hans Blumenbergs, indem er zeigt, wie diese beiden aus demselben Holze wachsen: das Leben stellt Themen, die das Werk reflektiert. Oder anders: das Leben konfrontiert mit bisweilen lebensgefährlichen Herausforderungen, die Autor und Werk ein Leben lang beschäftigten. Dabei will der Film nicht sagen, Blumenberg sei ohne Kenntnis seines Lebens unverständlich. Wohl aber, dass Präsenz und Konstanz wesentlicher Blumenberg-Themen ohne seine frühen Erfahrungen in der Heimatstadt Lübeck nicht denkbar wären.

Da ist der hochbegabte Schüler, der 1939 beste Abiturient seiner Schule, ja ganz Schleswig-Holsteins. Aber da ist auch der sog. Halb-Jude, der Anfeindung, Verfolgung, Lebensgefahr und Versteck in letzter Minute erlebt, der noch sein Versteck als Höhle des Löwen empfindet. Und da ist der hochdiskrete Philosoph und Autor, der sein letztes zu Lebzeiten veröffentlichtes Buch Höhlenausgänge nennt.

Der Film, ein philosophisches Roadmovie, ist unterlegt mit zahlreichen – bisher unveröffentlichten – O-Tönen aus Blumenbergs Vorlesungen. Der große unsichtbare Abwesende, der nie Interviews gab und sich auch nur ganz selten mal fotografieren ließ, ist immer anwesend – ob im Bus oder in der Kirche.

„Was für ein selbstmörderisches Unterfangen, eine Dokumentation über jemanden zu drehen, von dem es so gut wie keine Bilder gibt. Hans Blumenberg ließ zeit seines Lebens genau zwei offizielle Fotos von sich kursieren. Und während von Martin Heidegger und Arnold Gehlen, den beiden Philosophen des 20. Jahrhunderts, deren Lektüre er neben derjenigen von Edmund Husserl für unerlässlich hielt, zahlreiche Fernsehaufnahmen existieren, belaufen sie sich bei ihm auf null.

Die Bruchstücke, die er (Rüter) einsammelt, zeugen dafür treffend von einem denkerischen Gestus, der mit wechselnden Anteilen literarische Eleganz, Metaphernwut und Begriffsartistik vereint. Dieser Stil, der dazu diente, sich die Übermacht der reinen Wirklichkeit vom Leibe zu halten, trägt oft suggestive Züge, schraubt sich aber auch in pompöse Höhen, in die nicht einmal Blumenbergs Assistenten ihm zu folgen vermochten. Das bildungsgeladen Überkomprimierte seines Schreibens, das wie seine Stimme aus einer fernen Zeit zu kommen scheint, bleibt in seiner unwiederholbaren Fremdartigkeit aber auch ein anhaltendes Faszinosum.“

Gregor Dotzauer, Tagesspiegel, 2018

Mitwirkende

Burkhard Lütke Schwienhorst, Klaus Schölzel, Dr. Rüdiger Zill, Bettina Blumenberg, Prof. Dr. Cornelius Borck, Dr. Ulrich von Bülow, Dr. Christian Dräger, Prof. Dr. Jürgen Goldstein, Dr. Carsten Groth, Dr. Friedrich Hackelberg, Michael Krüger, Dr. Martin Meyer, Prof. Dr. Melanie Möller, Prof. Dr. Heinrich Niehues-Pröbsting, Maximilian Priebe, Dr. Heinz Rohrbach, Prof. Dr. Philipp Stoellger, Denis Trierweiler, Ingo Welling, Anna Chiara Wünsch , Dr. Nicola Zambon